Stress und Leistungsdenken

 

In meinem Blog Beitrag „Stress lass nach!“ habe ich schon Grundlegendes über Stress berichtet. Was Stress überhaupt bedeutet und durch welche Faktoren er entstehen kann.

 

Definition von Leistung

Heute soll es in diesem Beitrag darum gehen, wie sehr sich unser Leistungsdenken auf das Stresslevel auswirken kann. Leistung wird u.a. definiert als „unternommene Anstrengung und das erzielte Ergebnis“. Also allein in der Wortbedeutung liegt schon Anstrengung! Warum ist es so wichtig bestimmte Ergebnisse zu erzielen? Sicherlich, manche Dinge müssen getan werden, daran lässt sich nichts rütteln. Aber geht es immer und hauptsächlich um das Ziel dabei?

 

Immer mehr in immer weniger Zeit

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, wo der Verstand sehr hoch geschätzt wird und Noten, bzw. Abschlüsse ins Gewicht fallen. In vielen Branchen erleben wir derzeit, dass die Menschen an ihrem Limit arbeiten und immer mehr Aufgaben in kürzerer Zeit zu erledigen haben. Wir haben oft schon als Kinder gelernt, dass wir bei guten Noten gelobt werden oder wenn wir etwas richtig machen. Wir werden getadelt oder ignoriert wenn unser Verhalten nicht den Erwartungen von außen entspricht.

 

Der Wert des Menschen

Meiner Ansicht nach kann sich damit die innere Haltung ausprägen, dass nicht wir als Mensch zählen, sondern das was wir tun wichtig ist. Kennen Sie das? Sie machen einen Fehler oder etwas gelingt nicht und sie machen sich gedanklich nieder? Oftmals brauchen wir niemanden im außen der uns abwertet, das tun wir dann schon selber. Das Gefühl nicht viel wert zu sein, versagt zu haben oder die Anerkennung von den anderen möglicherweise zu verlieren,  kann in uns existenziellen Stress auslösen. Die körperlichen Symptome sind wie im vorherigen Artikel beschrieben. Wir bekommen Angst, der Körper geht in Anspannung und unsere Gedanken werden vermutlich um Negatives kreisen. Durch diese Anspannung funktioniert unser Körper weniger gut und wir können weniger Leistung bringen. Das ist dann unter Umständen die Spirale zum Burnout. Also sind es nur zum Teil die Dinge von außen die uns Stress machen. Es ist genauso unsere Haltung dazu und zu uns selber. Zählen wir wirklich nur etwas wenn wir etwas leisten? Um sich diese Frage ehrlich zu beantworten braucht es meiner Erfahrung nach etwas Zeit und ehrliche Innenschau. Denn oftmals sind uns unsere Denkmuster nicht vollständig bewusst.

 

Dem Vogel zuhören auch wenn er nicht singt

In dem Buch „Momo“ von Michael Ende wird Momo zu einer Dorfbewohnerin gerufen, weil deren Vogel nicht mehr singt. Momo sitzt sehr lange vor seinem Käfig, nimmt ihn war und hört ihm zu, obwohl er nicht singt. Nachdem sie ihn lange liebevoll betrachtet, fängt er wieder an, sein Lied zu pfeifen. Das ist meiner Ansicht nach ein sehr schönes Bild, worum es in unserer Existenz im Grunde gehen sollte. Um unser Wesen, das wir Wert sind wenn wir einfach nur da sind, ohne etwas leisten zu müssen. Wenn wir diese Wertschätzung erfahren, weil wir einfach sind, dann können wir aus uns selbst heraus aktiv werden. Dann handeln wir aus eigenem Antrieb, weil wir Freude an unserem Tun haben und nicht weil wir denken die Welt erwartet es von uns. Sie kennen das bestimmt, wenn sie etwas tun was sie wirklich wollen und von dem Sie wissen, dass es einfach richtig ist, fließt es. Keine Spur von Anstrengung und Erschöpfung und wenn doch, dann in einem wohltuenden Sinne. Sie sind vielleicht müde aber zutiefst zufrieden.

 

Was wirklich zählt

In unserem Alltag lässt sich dieses Gefühl sicherlich nicht immer aufrecht erhalten, dafür haben wir es zu lange „anders“ gemacht. Wenn wir uns aber von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass wir die Hauptperson in unserem Leben sind, dann können wir unserem Handeln vielleicht eine neue Kraft geben. Möglicherweise streichen wir dann auch den einen oder anderen Punkt auf der To-do Liste, weil uns unser Wohlbefinden wichtiger ist.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Zuhören!