Vielleicht kennst du das: Ein unangenehmes Gefühl taucht auf und sofort beginnt dein Kopf zu arbeiten. Woher kommt das jetzt? Was bedeutet es? Welches alte Muster steckt dahinter? Und vor allem: Wie bekomme ich es möglichst schnell wieder weg? Selbst die Beschäftigung mit den eigenen Gefühlen kann plötzlich zu einer weiteren Aufgabe werden, die wir unbedingt richtig machen wollen. Dabei musst du nicht jedes Gefühl sofort verstehen, analysieren oder lösen. Manchmal ist ein Gefühl einfach eine vorübergehende Reaktion auf einen anstrengenden Tag, eine Begegnung, zu wenig Schlaf oder darauf, dass du zu lange über deine eigenen Grenzen gegangen bist. Vielleicht bist du gereizt, traurig oder unruhig, ohne gleich eine eindeutige Erklärung dafür zu finden. Das darf sein. Gefühle brauchen nicht immer sofort eine Lösung.
Ein wenig Aufmerksamkeit
Häufig brauchen sie zunächst etwas viel Einfacheres: einen Moment deiner Aufmerksamkeit. Statt dich also zu fragen: „Wie bekomme ich dieses Gefühl weg?“, könntest du kurz innehalten und wahrnehmen: Was fühle ich gerade? Wo spüre ich es in meinem Körper? Und was würde mir jetzt ein kleines bisschen guttun? Vielleicht brauchst du keine tiefgehende Erkenntnis, sondern fünf Minuten Ruhe, frische Luft, etwas zu essen, Bewegung, ein klares Nein oder einen Menschen, bei dem du nichts erklären musst. Probiere heute einmal einen kleinen Gefühls-Check: Lege eine Hand auf deinen Brustkorb oder deinen Bauch, atme ruhig ein und aus und vervollständige innerlich drei Sätze: „Im Moment fühle ich …“, „Mein Körper zeigt mir …“ und „Ein kleiner guter Schritt wäre jetzt …“. Dieser Schritt muss nichts Großes sein. Es geht nicht darum, das Gefühl wegzumachen, sondern wieder in Kontakt mit dir zu kommen. Manchmal verändert sich ein Gefühl bereits dadurch, dass es nicht länger bekämpft wird. Und manchmal bleibt es noch eine Weile da – auch das ist in Ordnung.
Nimm dein Gefühl mit
Du darfst traurig sein und trotzdem einen Tee genießen. Du darfst unruhig sein und trotzdem einen kleinen Spaziergang machen. Du darfst enttäuscht sein, ohne den ganzen Tag in dieser Enttäuschung verbringen zu müssen. Ein Gefühl darf zu dir gehören, ohne für diesen Moment dein ganzes Leben zu bestimmen. Vielleicht ist genau das ein liebevollerer Umgang mit deiner Energie: nicht jedes innere Ziehen zu einem großen Projekt zu machen, sondern dir zuzuhören und dann den nächsten kleinen Schritt zu wählen, der dir wirklich gut tut.
Herzlichst Deine
Andrea Götte